Was ist eine Kaffee-Varietät? (Bourbon, Typica, Geisha etc.)

Von Norbert Ahnsorge (Inhaber) · Veröffentlicht · aktualisiert

Varietäten sind genetische Untergruppen innerhalb einer Kaffeesorte — vergleichbar mit Rebsorten beim Wein. Sie beeinflussen Geschmack, Ertrag und Krankheitsresistenz.

Warum das so ist

Wenn man von "Arabica" spricht, meint man die Art Coffea arabica. Innerhalb dieser Art gibt es Hunderte Varietäten — jede mit eigenem genetischen Profil, Wuchsform und Geschmackspotenzial. Der Vergleich mit Wein hilft: Arabica ist die "Traube", Bourbon oder Typica sind die "Rebsorten."

Typica und Bourbon gelten als die beiden Ur-Varietäten. Typica stammt aus Äthiopien und wurde über den Jemen und Indien nach Lateinamerika gebracht. Bourbon entstand auf der Insel Réunion (früher "Île Bourbon") aus Pflanzen, die aus dem Jemen dorthin gebracht wurden. Beide sind Eltern oder Vorfahren der meisten modernen Arabica-Varietäten.

Caturra ist eine natürliche Mutation von Bourbon, die in Brasilien entdeckt wurde — kompakter, höherer Ertrag, aber anfälliger für Krankheiten. Catuai ist eine Kreuzung aus Caturra und Mundo Novo und in Lateinamerika weit verbreitet. SL28 und SL34 wurden in Kenia gezüchtet und sind für ihre komplexen Säureprofile bekannt.

Geisha (oder Gesha) ist die aktuelle Star-Varietät. Ursprünglich in den 1930er-Jahren in Äthiopien gesammelt, kam sie über Ostafrika und Costa Rica erst in den 1960er-Jahren nach Panama. Dort schlummerte sie Jahrzehnte, bis sie 2004 bei der "Best of Panama"-Auktion Rekordpreise erzielte. Der Geschmack: jasmin-artig, teeartig, mit Noten von Bergamotte. Die Pflanze liefert allerdings wenig Ertrag, was den hohen Preis erklärt.

Für den Geschmack in der Tasse ist die Varietät einer von mehreren Faktoren — neben Terroir, Aufbereitung und Röstung. Aber sie legt das genetische Fundament: Bestimmte Varietäten können Aromen entwickeln, die anderen genetisch gar nicht möglich sind.

In der Praxis bei Green Wall Coffee

In unserem Café in der Sophienstraße 27 in Berlin-Lichtenberg fragen Gäste oft, warum zwei Kaffees so unterschiedlich schmecken. Wenn ich Gästen erkläre, warum ein äthiopischer Heirloom anders schmeckt als ein kolumbianischer Caturra, nutze ich den Wein-Vergleich: "Das sind verschiedene Rebsorten." Die meisten verstehen sofort, warum die Vielfalt des Kaffees so viel mehr ist als nur "stark oder mild."

Komm vorbei in der Sophienstraße 27 in Berlin-Lichtenberg — Mo–Fr 8–17 Uhr, Sa 10–17 Uhr.

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