Was bedeutet 100 % Arabica auf der Verpackung?

Von Norbert Ahnsorge (Inhaber) · Veröffentlicht · aktualisiert

Es bedeutet, dass ausschließlich Bohnen der Sorte Coffea arabica verwendet wurden — ohne Robusta-Beimischung. Über die Qualität sagt es aber nichts aus.

Warum das so ist

"100 % Arabica" ist eine Sortenangabe, kein Qualitätssiegel. Innerhalb von Arabica gibt es enorme Qualitätsunterschiede: von industriell geerntetem Massenkaffee aus Brasilien für 4 Euro pro Kilo bis zu handverlesenen Geisha-Bohnen aus Panama für 500 Euro pro Kilo. Beides ist "100 % Arabica."

Die Angabe wurde in den 1990er- und 2000er-Jahren zum Marketing-Argument, als Verbraucher lernten, dass Arabica "besser" sei als Robusta. Hersteller druckten "100 % Arabica" auf die Verpackung, um sich von Billig-Blends abzugrenzen, die oft 30–50 % Robusta enthielten. Das funktionierte — bis heute assoziieren viele Konsumenten "100 % Arabica" mit hoher Qualität.

In der Realität sagt die Angabe nur eines: Es ist kein Robusta drin. Ob die Arabica-Bohnen sorgfältig im Hochland angebaut, handverlesen und schonend geröstet wurden — oder maschinell geerntet, in Massenverarbeitung aufbereitet und industriell geröstet — verrät das Label nicht.

Bessere Qualitätsindikatoren auf der Verpackung sind: das Röstdatum (nicht das MHD), die Herkunftsangabe (Land, Region, Farm), die Aufbereitungsmethode (washed, natural, honey) und eine SCA-Bewertung, falls vorhanden. Wenn nur "100 % Arabica" ohne weitere Details steht, ist das eher ein Warnsignal als ein Qualitätsversprechen.

In der Praxis bei Green Wall Coffee

Alle Kaffees in unserem Café in der Sophienstraße 27 in Berlin-Lichtenberg sind 100 % Arabica — aussagekräftiger sind aber Herkunftsland, Region, Varietät, Aufbereitung und Röstdatum. Wenn Gäste nach "100 % Arabica" fragen, erkläre ich: Die Angabe ist ungefähr so aussagekräftig wie "100 % Trauben" auf einer Weinflasche.

Komm vorbei in der Sophienstraße 27 in Berlin-Lichtenberg — Mo–Fr 8–17 Uhr, Sa 10–17 Uhr.

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