Ist Arabica wirklich besser als Robusta?

Von Norbert Ahnsorge (Inhaber) · Veröffentlicht · aktualisiert

Nicht pauschal. Arabica hat ein komplexeres Aromaspektrum, aber hochwertiger Specialty Robusta kann hervorragend schmecken. Der schlechte Ruf stammt aus der Massenproduktion.

Warum das so ist

Die Gleichung "Arabica = gut, Robusta = schlecht" ist ein Marketingmythos, der sich hartnäckig hält. Er kommt daher: Die meiste Robusta-Produktion weltweit geht in löslichen Kaffee, billige Blends und industrielle Mischungen. Diese Bohnen werden oft minderwertig angebaut, maschinell geerntet und schlecht aufbereitet. Das Ergebnis schmeckt entsprechend.

Aber die Sorte selbst ist nicht das Problem. Robusta, sorgfältig im Hochland angebaut, handverlesen und sauber aufbereitet, kann Aromen entwickeln, die überraschen: Schokolade, Nuss, Karamell, sogar fruchtige Noten. Das Coffee Quality Institute (CQI) hat 2010 eine eigene Bewertungsskala für "Fine Robusta" eingeführt — mit über 80 SCA-Punkten qualifiziert sich auch Robusta als Specialty-Kaffee.

Arabica hat genetisch mehr Potenzial für komplexe Fruchtsäuren und florale Noten. Das liegt an der höheren Anzahl Chromosomen (44 statt 22 bei Robusta) und dem langsameren Wachstum im Hochland. Aber "mehr Potenzial" bedeutet nicht automatisch "besser". Ein schlecht gerösteter Arabica aus Massenproduktion schmeckt schlechter als ein gut aufbereiteter Robusta.

Der Klimawandel verschiebt die Diskussion zusätzlich. Arabica reagiert empfindlicher auf steigende Temperaturen. Bis 2050 könnten bis zu 50 % der heutigen Arabica-Anbauflächen ungeeignet werden. Robusta, hitzeresistenter und ertragreicher, wird an Bedeutung gewinnen — und damit auch der Anreiz, seine Qualität zu verbessern.

In der Praxis bei Green Wall Coffee

In unserem Café in der Sophienstraße 27 in Berlin-Lichtenberg sind alle Kaffees 100 % Arabica, auch der Hausblend und der Decaf. Trotzdem sage ich Gästen nie, dass Robusta "schlecht" sei: Gut angebauter und sorgfältig aufbereiteter Specialty Robusta kann überraschen. Bei uns gibt es ihn nicht.

Du findest uns in der Sophienstraße 27 in Berlin-Lichtenberg, montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 17 Uhr.

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